Indridason - Enger und Horst - Blutnebel

William Wisting ist Hauptkommissar bei der norwegischen Kriminalpolizei und zur Zeit in Urlaub. Nebenbei hört er von einer verschwundenen Frau, die einige Tage später in einem abgebrannten Haus gefunden wird. Zeitgleich bekommt er einen anonymen Brief in den Briefkasten gesteckt. Er enthält nur einen Zettel mit den Zahlen: 12-1569/99. Diese Zahlen sagen ihm: es handelt sich um einen abgeschlossenen Fall. Die junge Tone Vaterland wurde missbraucht und ermordet. Als Mörder wurde ihr Freund, mit dem sie gerade Schluss gemacht hatte, verurteilt. Er hat zwar stets behauptet, unschuldig zu sein, aber seine Strafe abgesessen und ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Als wenige Tage später ein neuer Brief auftaucht mit Daten, die nur die Polizei wissen darf, begibt sich Wisting auf die Suche. Ihn beunruhigt die Tatsache, dass es mittlerweile wieder einen Fall gibt, der dem alten sehr ähnlich ist. Könnte damals ein Fehler gemacht worden sein? Welche Rolle spielt der undurchsichtige Anwalt des Verurteilten? Und was hat die Journalistin, die einen Film über den Fall drehen möchte, damit zu tun? Als Wisting Unterstützung von einem Kollegen bekommt, der für die „Cold Cases“ zuständig ist, kommt langsam Licht in den verzwickten Fall…

Diesem Krimi merkt man an, dass sich der Autor bestens in der Polizeiarbeit auskennt. Mit überzeugender Genauigkeit erklärt er die Spurensuchen, Rechercharbeit und die Arbeiten mit Datenüberwachungen. Und trotzdem wird in dem Krimi eine Spannung aufgebaut, der man sich nicht entziehen kann. Wisting strahlt eine Ruhe aus und er lässt sich auch durch nichts aus der Ruhe bringen. Ein absolut empfehlenswerter Krimi ohne überzogene brutale Szenerien.

Jørn Lier Horst, geb. 1970, war Kriminalkommissar bis 2004, dann begann er als Kriminalschriftsteller zu schreiben. Für „Jagdhunde“ erhielt er den „Vestfold Litteraturpris“, den „Riverton Prisen“ und den „Glasnøkkelen“. Außerdem erschienen von ihm: „Eisige Schatten“, „Blindgang“ und „Winterfest“. Die Rezension zu „Jagdhunde“ und „Wisting und der Tag der Vermissten“ finden Sie auch in der „Nordischen Bücherwelt“.

Rezension: Angelika Steinhäuser

Jørn Lier Horst
Wisting und der See des Vergessens
Aus dem Norwegischen von Andreas Brunstermann
Titel des norwegischen Originals: „Sak 1569“
Piper Verlag GmbH, München 2020, 414 Seiten
ISBN 978-3-492-06144-5
Preis: € 15,00