Sveen - Die stille Tochter

1942 in Oslo, die Jüdin Esther kommt von einem Besuch bei ihrer Freundin Åse zurück nach Hause. Sie sieht gerade noch, wie ihr Vater von deutschen Soldaten abgeholt wird. Ihre Mutter ist nicht zuhause, lebt zurzeit auf dem Land – sie wird ihre Eltern nie wiedersehen. Esther weiß, dass sie sich jetzt verstecken muss, zunächst bei Åse, dann flieht sie nach Schweden.
Åse hat mit ihrem Lebensgefährten Gerhard ein Tochter: Turid, gerade ein paar Monate alt. Beide sind im Widerstand tätig, sind ständig auf der Hut. Als eines Abends Gerhard auswärts ist, bekommt Åse unerwarteten Besuch, am nächsten Tag wird sie ermordet aufgefunden. Gerhard wird des Mordes verdächtigt, er muss fliehen.
1967 in Oslo, Esther lebt als Klavierlehrerin hier, als eines Tages Gerhard, von dem eigentlich alle dachten, er sei tot, unter anderem Namen auftaucht. Esther sucht die Konfrontation, will endlich wissen, was damals wirklich geschehen ist…

In Rückblicken, die Stück für Stück das Geschehen der letzten Jahre aufrollen, wird jetzt Licht in das Dunkel gebracht.
Dieser Roman ist eine interessante Verquickung von Geschichte und Kriminalroman, wenngleich man sich mit dem Stil der oft sehr kurzen Sätze erst anfreunden muss. Das ständige Springen von 1942 zu 1967 wirkt manchmal ermüdend, jedoch zum Schluss nimmt die Handlung wieder erheblich an Fahrt auf. Eine interessante, ungewöhnliche Lektüre!
Kjell Ola Dahl, geb. 1958, hat seinen Lehrerberuf für das Schreiben von Kriminalromanen aufgegeben. Für „Sommernachtstod“ bekam er den „Riverton- Preis“, Skandinaviens wichtigste Krimiauszeichnung. Seine Romane werden in viele Sprachen übersetzt. An dieser Stelle ist auch die Besprechung zu: „Die Kommissarin und der Tote im Fjord“ zu finden.

Rezension: Angelika Steinhäuser

Kjell Ola Dahl
Die Frau aus Oslo
Aus dem Norwegischen von Thorsten Alms
Titel des norwegischen Originals: „Kureren“
Bastei Lübbe GmbH & Co KG, Köln 2019, 432 Seiten
ISBN 978 3 431 04118 7
Preis: € 15,00