Gunnar Staalesen - Todesmörder

Der Roman beginnt mit einem Telefonanruf. Varg Veum, Privatschnüffler und Ich-Erzähler hört eine Stimme aus seiner Vergangenheit beim Jugendamt in Bergen, die Stimmer seiner ehemaligen Kollegin Cecile: Jan ein Junge, den sie beide vor Jahren betreut hatten, werde des Mordes an seinen Pflegeeltern verdächtigt. Auf seiner Todesliste stehe auch er, Varg Veum. Ist Jan wirklich der Doppelmörder, wie die Polizei glaubt oder ist er das Opfer von Intrigen, einer brutalen Gesellschaft und mafiösen Strukturen, deren Verzweigungen bis weit in die vornehme Gesellschaft Bergens reichen? Der Autor Gunnar Staalesen hat seinen Privatdetektiv mit der wichtigsten Eigenschaft ausgestattet, die Privatdetektive nach den Regeln des Genres erfüllen müssen: Er misstraut den Fakten und Schlussfolgerungen der polizeilichen Ermittlung. Varg Veum begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit und rekonstruiert seine Begegnungen mit Jan seit Beginn der 70er Jahre. Der Autor interessiert sich nur vordergründig für die Aufklärung des Mordfalls. Wichtiger wird, je länger die Rückblende in die Vergangenheit dauert, das Schicksal des Menschen, den er vor vielen Jahren betreut hat und dem er sowie Jugendamt und Wohlfahrtsstaat insgesamt nicht helfen konnten...

Etwas Verwirrung kann sich beim Lesen einstellen. Die Gegenwart, in der der Roman spielt, ist um das Jahr 2004, da das Buch schon 2006 in Norwegen erschienen ist. Die Rückblende auf Anfang der 70er Jahre beginnt mit mehreren Erzählkapiteln unterschiedlicher Begegnungen und Zeitebenen, mit Mord, Todschlag, Alkoholschmuggel, Drogenkonsum, und endet mit dem anscheinend bekehrten Kriminellen, dem smarten Anwalt und einer Auflösung der Kriminalfälle der verschiedenen Zeitebenen in zwei dramatischen Schlusskapiteln. Das ist etwas grob konstruiert, aber für Kriminalromanlesende Norwegenfreunde zu empfehlen. Staalesen erzählt so, dass seine erfundenen Personen dem Leser als Individuen, als Persönlichkeiten und nicht nur als Handlungsträger begegnen. Der Roman hat eine beachtliche literarische Qualität, auch das Ergebnis der vorzüglichen deutschen Übersetzung von Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz.

Rezension: Peter von Rüden

Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz

Gunnar Staalesen
Todesmörder
Polar Verlag, Stuttgart 2019, 416 Seiten
ISBN 978 3 94513 389 7
Preis: € 22,--