100 Ravatn Das Vogeltribunal

Die Anzeige mit dem Text:„Suche Hilfe für den Sommer“ bietet der Dozentin Allis die gesuchte Möglichkeit, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. Sie hat für eine Affäre ihre Existenz aufs Spiel gesetzt und verloren. Ihre Flucht bringt sie in ein sehr einsames Haus am Fjord zu einem ebenso einsamen Mann, der aber nicht der erwartete alte Herr ist, sondern ein undurchschaubarer Mittvierziger…

Sigurd Bagge stellt sofort klar, dass Allis sich um das Haus und den vernachlässigten Garten zu kümmern hat. Er selbst zieht sich in sein Arbeitszimmer zurück und erscheint nur zu den Mahlzeiten. Allis findet diesen Einsiedler sehr seltsam und versucht heimlich zu erkunden, was er so treibt und wovon er lebt. Wo ist seine Frau? Und wo geht er hin, wenn er doch einmal das Haus verlässt? Sie versucht, ihn vorsichtig auszufragen – und stellt fest, Sigurd versucht das Gleiche mit ihr. Und so beginnt langsam eine ungewöhnliche Beziehung, die in einer Katastrophe endet…

Dieser Roman ähnelt einem 2 Personen Theaterstück. Allis und Bagge erscheinen einem wie Boxer, die sich im Ring umtänzeln. Und trotzdem ist die Geschichte spannend und nimmt in dem Moment, wo beide Personen einiges voneinander wissen, immer mehr an Fahrt auf. Interessant ist auch die Sage des nordischen Gottes Balder, die Allis eines Tages Bagge erzählt. Da es hier um Schuld und Sühne geht, wird die Spannung weiter erhöht.

Das Buch ist als Thriller eingestuft, aber da es nicht blutrünstig ist und auch für Leser von spannenden Romanen geeignet ist, habe ich es unter Belletristik eingesetzt.

Agnes Ravatn, geb. 1983, arbeitet als Journalistin bei einer großen norwegischen Tageszeitung. Sie verfasste Kurzgeschichten und Essays, „Das Vogel Tribunal “ist ihr zweiter Roman.

Rezension: Angelika Steinhäuser

Agnes Ravatn
Das Vogel Tribunal
Aus dem Norwegischen von Julia Gschwilm
Originaltitel: „Fugletribunalet“
btb Verlag in der Verlagsgruppe Random House München 2015, 235 Seiten
ISBN 978 3 442 74916 4
Preis: 8,99 €