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| In vier Phasen | ||
| Phase 1: Vor rund 3,5 bis 1,1 Milliarden Jahren: | ||
| Die heutigen Staaten Norwegen, Schweden und Finnland befinden sich auf dem westlichen Teil einer ausgedehnten kontinentalen Grundgebirgsplatte, die sich von Norwegen bis zum Ural und in die Ukraine erstreckt. Dabei handelt es sich um den proterozoischen fennoskandischen Schild: (Erdzeitalter: Erdfrühzeit=Proterozoikum, Formation: Präkambrium: vor ca. 3,5 bis 1,1 Milliarden Jahren) (Erg.: Alter der Erde: ca. 5 Milliarden Jahre). Der westlichste Teil des fennoskandischen Schildes, also die Hauptfläche der heutigen Staaten Norwegen, Schweden und Finnland, wird als Baltischer Schild bezeichnet. | ||
| Nach der Bildung einer festen Erdkruste begann der bis heute anhaltende Kreislauf des Wassers und die Bildung von Sediment- (=Ablagerungs-)-gesteinen: Sand, Kalk, Ton. Am Ende des Archaikums (vor ca. 3,5-3,0 Mia. Jahren) (=älteste Abteilung des Präkambriums, s.o.) setzte die erdweite Laurentische Gebirgsbildungsphase ein, deren Relikte heute den Fennoskandischen Schild (und den Baltischen Schild, s.o.) bilden. Da dieses Gebiet danach - wie alles - jahrmilliardenlanger Erosion durch Wind und Wasser unterlag, wurde das Laurentische Gebirge "eingerumpft" und zeigt sich heute als mehr oder weniger flachwellige Rumpfflächenlandschaft: Die dort an der Oberfläche liegenden Gesteine haben ein Alter von 3,5 bis 3,0 Mia. Jahren, inzwischen durch Gletscherschliff (Eiszeitalter, s.u.) blank poliert.Wer dort heute wandert, läuft inmitten eines uralten, abgetragenen Gebirges herum. Die Verkehrsflugzeuge in rund 10000 m Höhe fliegen dort, wo sich einst die Gipfel dieses Laurentischen Gebirges befanden! | ||
| Die geologisch ältesten Bereiche des Baltischen Schildes liegen im Norden auf der Halbinsel Kola/Russland und in Ost-Finnmark/Norwegen. Diese Gesteine, überwiegend Gneise, haben ein Alter von 3,5 bis 2,0 Mia. Jahren. Die Eisenerze Süd-Varangers (Raum Kirkenes!) haben ein Alter von ca. 2 Mia. Jahren. |
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| Durch Kollisionen mit anderen Erdplatten wuchs dieses Laurentische Gebirge, der heutige Baltische Schild, in SW-Richtung. So liegt das größte Gebiet auf norwegischem Boden mit anstehenden Gesteinen des alten Grundgebirges in Süd-Norwegen: von Hedmark/Östfold über Sörlandet bis Rogaland. Das Alter der dortigen Gesteine beträgt im Mittel "nur" (s.o.) 1 Mia. Jahren. | ||
| In den folgenden Jahrmillionen gab es den bis heute bekannten Wechsel von Gebirgsbildung, Abtragung und Einebnung, Meeresvorstoß und erneuter Auffaltung auf der Grundlage bis heute anhaltender Plattenverschiebungen. So entstand vor ca. 700 bis 570 Mio. J., d.h. am Übergang von Erdfrühzeit zu Erdaltertum zwischen Grönland und Norwegen ein Vorläufer des heutigen Nordatlantiks. In den nun folgenden ältesten Phasen des Erdaltertums (Zeitraum: vor rund 570 bis 420 Mio. Jahren) waren große Teile des - nach Jahrmillionen bereits weitgehend erodierten und eingerumpften - Laurentischen Gebirges, nun Baltischen Schildes, vom Meer bedeckt. |
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| Phase 2: Vor rund 400 Mio. Jahren: | ||
| Das bis heute jüngste aller skandinavischen Gebirge, die jemals entstanden sind, liegt im Westen der skandinavischen Halbinsel: Das Kaledonische Gebirge, die Kaledoniden, entstanden gegen Ende des Silurs (Erdzeitalter: Erdaltertum). Die Erosion hat es bisher nicht geschafft, dieses Gebirge ebenfalls einzurumpfen. Höchster Berg: Galdhöppigen, 2469 m ü.NN in Jotunheimen! Infolge der Kollision dreier Erdplatten (Laurentia: heutiges Nordamerika und Grönland, Baltika: heutiger Baltischer Schild und Avalonia: heute Teile Großbritanniens und Irland) wurden im Rahmen umfassender vulkanischer Aktivität mächtige Gesteinspakete (vulkanisch, metamorph, Sediment) in West-Ost-Richtung auf den alten Baltischen Schild aufgeschoben. Dabei entstanden nicht nur die das heutige Relief Norwegens entscheidend prägenden Skanden, sondern kaledonische Gesteine finden sich auch an der Ostküste der USA (Appalachen), in Neufundland/Ost-Kanada, an der Ost-Küste Grönlands, auf Spitzbergen, in Großbritannien mit Schottland und in Irland. Der diese heute weit auseinander liegenden Gebiete trennende Nordatlantik ist in der heutigen Form bei einem späteren Meeresvorstoß entstanden. | ||
| Phase 3: Brüche, Bruchzonen im Laufe der Jahrmillionen | ||
| 3.1. Sorgenfrei-Tornquist-Zone bzw. Tesseyre-Tornquist-Zone: | ||
| Dabei handelt es sich um eine in Nordjütland/Dänemark beginnende Bruchzone. Sie verläuft weiter durch Südschweden (Schonen) und endet schließlich in Weißrussland. Ihre Entstehung ist wohl auf die auf die Kaledonische Faltung folgende erdweite Variskische Gebirgsbildungsphase (nicht in Nordeuropa wirksam!) zurückzuführen. Sie erfolgte ebenfalls im Erdaltertum, im Karbon bis Perm vor rund 350 bis 270 Mio. J. Im Bereich dieser Bruchzone sinkt das Grundgebirge (der Baltische Schild) um mehrere Kilometer tief ab, wobei die Bruchzone mit jüngeren Sedimenten verfüllt ist. Die dänische Insel Bornholm liegt als isolierter Grundgebirgsrest, sog. Horst, direkt am Rande dieser Bruchzone. | ||
| 3.2. Die Mittelmeer-Mjösen-Zone: | ||
| Dabei handelt es sich um eine tausende Kilometer lange etwa in Süd-Nord-Richtung verlaufende Bruchzone, die in Ostafrika beginnt (Tanganjika- und Njassa-See). Sie setzt sich im Rhonetal/Südfrankreich fort. Auf deutschem Gebiet gehören u.a. der Oberrheingraben, die Eifel und die Hessische Senke dazu. Ihr Ende findet diese Bruchzone in Norwegen: Oslo"fjord" bis Mjösa (See). Diese Bruchzone entstand im Zusammenhang mit der erdweit jüngsten Gebirgsbildungsphase, der Alpidischen Faltung, die vor ca. 70 Mio. J. begann: Erdzeitalter: Erdneuzeit: Tertiär, auch in Nordeuropa nicht wirksam. | ||
| Phase 4: | ||
| Die eiszeitliche (glaziale) Überformung des Baltischen Schildes und der Skanden: | ||
| Infolge Temperaturerniedrigung und vermehrter Niederschläge kam es im Pleistozän (Erdzeitalter: Erdneuzeit, hier: vor ca. 2,0 bis 1,5 Mio. J.) zu ausgedehnten Vergletscherungen der Höheren Breiten. Die sich massiv ausbreitenden Eismassen wirkten sedimentbildend, landschaftsformend und weiter klimaverändernd. | ||
| Dabei werden heute vier Kalt- und Warmzeiten unterschieden. | ||
| In Norwegen begann die bisher letzte Eiszeit (wie in Deutschland: Würm- bzw. Weichsel-Eiszeit) vor rund 70.000 Jahren und endete vor rund 10.000 Jahren. Die den Baltischen Schild und weitgehend die Skanden bedeckenden Eismassen erreichten eine Mächtigkeit von 2000 bis 3000 m! Das Land unterlag einer enormen Eispressung, die erst mit Abschmelzen der Eismassen nachließ: Bis heute ist die nacheiszeitliche Landhebung in Nordeuropa zu beobachten. Ehemals betrug sie 10 m pro Jahrhundert, heute ist es max. noch 1 m pro Jahrhundert (Bottn. Meerbusen). An den Strandlinien, die das Meer hinterlassen hat, lässt sich die Landhebung gut verfolgen. Es hoben sich buchstäblich aus dem Meer bedeutende zu besiedelnde Gebiete, wie u.a. die flachen Strandflates vor der steil aufragenden Lofotenwand. | ||
| Mit dem Abschmelzen des Eises kam und kommt der gesamte eiszeitliche Formenschatz zutage, der bis heute alle Landschaften der skandinavischen Halbinsel prägt: Schären- und Fjordküsten, Urstromtäler, ungezählte Seen, Trog- und Hängetäler (Bsp: Trollstigen und Hemsedal), Grund-, End- und Seitenmoränen ... Findlinge, bis in deutsche Vorgärten! In den Hochlagen des Kaledonischen Gebirges, den Skanden, existieren weiterhin Gletscher, wie z.B. Jostedalsbreen/Jotunheimen, Svartisen oder Öksfjordjökelen. Gletscherschliff an deren Rändern gibt Kunde ihrer einstigen Ausdehnung. | ||
| 5. Ausblick: | ||
| Dass die Erde weiterhin in Bewegung bleibt, zeigt u.a. das Erdbeben vom 16.12.2008, dessen Epizentrum sich etwa 30 km östlich Malmö, also in der Tornquist-Zone, befand. Dieses beweisen auch einige heiße Quellen sowohl auf Grönland als auch auf Spitzbergen. | ||
| Ganz Europa wird in den nächsten Jahrmillionen infolge der anhaltenden Nordwärtsbewegung der Afrikanischen Platte und damit verbundener fortgesetzter Kollision mit der Eurasischen Platte (darauf der Fennoskandische Schild) überformt und umgestaltet werden. Dabei wir das Mittelmeer verschwinden. | ||
| 6. Literatur: | ||
| 1. NEEF, Ernst (Prof.): Das Gesicht der Erde. Frankfurt/ Main (Harri Deutsch Verlag) 1968 2. HEYERDAHL, Thor: Norge vaart land. Bd. 1. Oslo (Gyldendal Norsk Forlag) 1983 3. Internet: www.kristallin.de |
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| Text: Petra Petersen | ||
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Norwegens Natur
