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Nationalfeiertag, 17. Mai

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Wer am 17. Mai einen norwegischen Studenten in Deutschland auf seine Nationalfeier anspricht, weckt bei ihm viele schöne Erinnerungen und zwar an: die Abiturfeier als Abiturient eines klassischen Gymnasiums (Rødruss)oder eines Wirtschaftsgymnasiums (Blå­russ), 13 Jahre Schülerumzug mit Blas­musik die Geschichte der Verfassung vom 17. Mai 1814.

Die Abiturfeier
russelue Das Wort Russ ist eine Abkürzung von cornua depositurus,d. h. sich die Hörner abstoßen. Dies war ein Zeichen von erlangter Weisheit und vom Ablegen des inneren, wilden Tieres nach der erfolgreichen Aufnahmeprüfung der Universität im 18. Jahrhundert. Für jeden Abiturienten ist die Beteiligung am speziellen, beinahe karnevalistischen Umzug, Russetoget, am Nachmittag des 17.Mai der Höhepunkt und Abschluss von wochenlangen Abiturfeiern, Russetiden, und damit auch von 13 Schuljahren. Schon am Anfang des letzten Schuljahres werden in allen Gymnasien Norwegens Komitees zur Planung und Durchführung der sogenannten Russetiden mit allen seinen Parties (Russefester) und Ritualen gewählt. Eigene Veranstaltungen, mit Zutritt nur für die Russ, werden organisiert. Aber auch "Mutproben" sind vorgesehen, deren Durchführung strengstens von den Komitee-Mitgliedern überwacht werden. Ist die Mutprobe erfolgreich absolviert, bekommt der Russ eine dafür vorher festgelegte Auszeichnung: Vom Schlüsselanhänger angefangen bis hin zum Korkenzieher ist alles möglich. Diese Auszeichnung darf er sich dann als Trophäe an die Troddel seiner roten oder blauen Kopfbedeckung (russelue) binden. Eine rote Kopfbedeckung tragen die Russ eines klassischen Gymnasiums und eine blaue diejenigen eines Wirtschaftsgymnasiums.
russ
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blaaruss Die Traditionen dafür sind alt: 1904 besuchten einige deutsche Verbindungsstudenten mit roter Kopfbedeckung Oslo. Schon 1905, das Jahr der Trennung von Schweden, trugen Studenten zur 17. Mai-Feier dann solche Kopfbedeckungen. Später wurde das Tragen dieser Kopfbedeckung fester Bestandteil der Abiturfeiern. Die blaue Kopfbedeckung führten die Abiturienten des Osloer Handelsgymnasiums im Jahre 1916 ein. Nach den wilden Wochen der Russetiden erhalten die Abiturienten bei einer offiziellen Feier ihr Diplom des examen artium. Sie trugen früher dazu schon die elegante schwarze Kopfbedeckung der Studenten, wie damals auch später im Herbst bei der Immatrikulationsfeier. Diese Kopfbedeckung wurde dann ein Leben lang am 17. Mai in der Stadt getragen. Im Zuge des Abbaus äußerer Zeichen eines Elitebewusstseins verschwand diese Tradition vor etwa 20 Jahren. Die Russefester sind nicht nur für die Abiturienten aufregend. Es gibt sogar Sponsoren, die ihnen für diese Wochen ein Veteranenauto zur Verfügung stellen, das sie dann rot oder blau lackieren und mit allerlei humoristischen Sprüchen weiß bemalen. Ein Russ hat eine Visitenkarte, Russekort, mit Foto, Adresse, Handy-Nummer und einem witzigen Motto, die er bei allen Russefester in der Region dabei hat und verteilt.n den Universitäten Norwegens. Die Russ treiben so allerlei Schabernack: In den ersten zwei Mai-Wochen kann es Ihnen passieren, dass Sie als ahnungsloser Kunde im Supermarkt plötzlich ins Bein gebissen werden oder Ihnen an der Bushaltestelle die Schnürsenkel verknotet werden. Sie erblicken erstaunt eine riesengroße rote Russelue auf dem Kopf des Monolithen im Vigelandspark oder in einer Parkfontäne blau gefärbtes Wasser. Die 17. Mai-Feier als Russ ist Höhepunkt und Abschluss der jährlichen Nationalfeier als Schüler.

Schülerumzug
no-2008-05-06_0035 Bekannt aus allen Bildbänden über Norwegen sind auch die Schülerumzüge am Vormittag des 17. Mai, an der "alle" Schüler des Landes mit Blasmusik und Schulfahne, klassenweise in langen Umzügen, auf dem Land und in den Städten, teilnehmen. Alle Schüler schwingenihre kleinen Fahnen und rufen "Hurra for 17. Mai!". In Oslo geht der Umzug mit 40.000 Schülern von 112 Schulen immer am königlichen Schloss vorbei, und die Schüler winken der beliebten königlichen Familie auf dem Balkon zu. Der erste Straßenumzug fand am 17. Mai 1826 in Trondheim statt. Der Zeitungsmann Mathias Conrad Peterson organisierte einen politischen Demonstrationsumzug der Bürger vom Stadtzentrum zum Ilevollen.Die Idee eines Schülerumzuges am 17. Mai hatte jedoch zuerst der Schul­vorsteher P. Qvam, und im Jahre 1869 führte er sie an seiner Schule durch.
Der große nationalromantische Dichter, Bjørnstjerne Bjørnson, befürwortete dies lebhaft in den Zeitungen, arrangierte 1870 einen Umzug und hielt eine patriotische Ansprache vor 1.200 Schülern.Auch wenn er 1859 die Nationalhymne "Ja, vi elsker dette landet" (deutsche Übersetzung) geschrieben hatte, gilt ein anderer großer norwegischer Dichter, Henrik Wergeland (1808-45), als Vater der 17. Mai-Feier. Als Student in Oslo hielt Henrik Wergeland am 17. Mai 1833 die offizielle Rede des Tages. Sie war eine politische Demonstration der norwegischen Eigenständigkeit gegenüber Schweden und König Carl Johan. Im Jahre 1814, als er nur 6 Jahre alt war, ist die Verfassung auch von seinem Vater, Pfarrer Nicolai Wergeland, in Eidsvoll mitverfasst worden. Am 17. Mai 1824 wollte das nur 10 Jahre junge norwegische Parlament, das Storting, eine Jubiläumsfeier veranstalten. Die schwedisch-norwegischen Behörden waren beunruhigt, denn die Zeitung "Patrioten" schlug nunmehr vor, den Tag als Verfassungstag Norwegens zu verankern. Aber die Studenten feierten trotzdem.
17.mai-eidsvoll 1836 ließ der mutige Kommandant der Festung Akershus in Oslo, Barthold Henrik Hagemann, am 17. Mai seine Soldaten mit Militärmusik durch die Strassen Oslos marschieren. Sie spielten patriotische Lieder, und eine begeisterte Volksmasse folgte der Parade.Einige Wochen lang war dann Hagemann der populärste Mann der Stadt. Als er am 23. Juni abgesetzt wurde, gab es sofort Straßendemonstrationen, und das Verhältnis zwischen den Norwegern und dem schwedischen König, der auch der König für Norwegen war, verschärfte sich, als er 8 Tage später das Storting auflöste. Erst1905 lösten dann die Norweger die Union mit Schweden auf und wählten einen dänischen Prinzen zum König. Er nahm den Namen Haakon VII. und den Wahlspruch: "Alt for Norge" an. Dies geschah 91 Jahre nach der erzwungenen Trennung von Dänemark und der Verabschiedung einer ersten eigenen Verfassung am 17. Mai 1814 in Eidsvoll, 60 km nördlich von Oslo, an der Südspitze von Norwegens größtem Binnenmeer Mjøsa.

Rückblick - Gemeinsam mit Dänemark 1380-1814

Als König Håkon VI. Magnusson im Jahre 1380 starb, erbte sein nur 10 Jahre alter Sohn Olav IV. Håkonsson Norwegen. Vier Jahre vorher war er bereits zum König von Dänemark gewählt worden - als Nachfolger von König Valdemar Atterdag, dem Vater seiner Mutter Margrete. Margrete regierte als Vormund für ihren jungen Sohn beide Königreiche, bis er 17jährig im Jahre 1387 starb. Danach übernahm sie selber die Macht als Königin und bildete 1397 die Kalmarer Union zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden, die bis 1536 Bestand hatte.

Im Jahre 1536 hörte Norwegen auf, einen eigenen Reichsrat zu haben. Das geschah auf einer Reichsversammlung in Kopenhagen, wo Christian III. (1503-1559), Herzog von Schleswig und Hol-stein und König von Dänemark-Norwegen, dem dänischen Adel mit einem "Norwegenparagraphen" in einer Erklärung, so genannter "Handfeste", versprechen musste, Grundsätze und Privilegien während seiner Regierungs-zeit fortbestehen zu lassen und Norwegen in Zukunft, wie jede andere dänische Provinz, der dänischen Krone zu unterstellen. Diese Regierungser­klär-ung wurde nie vollständig umgesetzt, und Norwegen blieb fortwährend ein eigenes Königreich unter wechselnden, gemeinsamen Königen mit Dänemark, das damals auch Schonen, Halland, Blekinge, Gotland und Øsel umfasste. Norwegen hatte weitläufige nordatlantische Besitztümer: die Färöer, Island und Grönland. Seit der Gründung der Kalmarer Union 1397 war Norwegen in Personalunion mit Dänemark. Außerdem stand das Herzogtum Schleswig in einem Lehnverhältnis zur dänischen Krone, und der Monarch war zugleich Herzog von Holstein.
Durch die lateinische "Ordinatio Ecclesiastica" von 1537 wurde die Reformation einheitlich in Dänemark und damit auch in Norwegen sowie in den Herzogtümern Schleswig und Holstein eingeführt. Die weltliche Macht der Bischöfe wurde zerschlagen, das Kirchengut eingezogen und die Klöster aufgehoben. Die inneren Verhältnisse der Kirche wurden unter königlicher Aufsicht durch den Wittemberger Reformator Johannes Bugenhagen neu geordnet.
In der königlichen Union mit Dänemark wurde Norwegen zwangsläufig auch in die Kriege hineingezogen, die Dänemark mit Schweden und den Ostseemächten führte. Das Ergebnis: Der dänisch-norwegische König überließ Schweden die norwegischen Gebiete "Jämtland" und "Härjedalen" im Jahre 1645 sowie "Bohuslän" und das Lehn Trondheim im Jahre 1658. Letzteres wurde jedoch zwei Jahre später zurückgegeben.
Der geographische Abstand zur gemeinsamen Hauptstadt Kopenhagen sowie ein schwacher Fortbestand an einem eigenen Reichsgefühl in Norwegen ermöglichten einen höheren Grad an Eigenständigkeit als in den alten Provinzen Dänemarks. Das norwegische Gerichtswesen blieb bestehen. Durch die normative Kraft des Faktischen wurde Norwegen nie ein Provinz Dänemarks, wie im Jahre 1536 vorgesehen: Norwegen blieb eine eigene Erbmonarchie aus Kopenhagen regiert. Bereits vier Jahre später ließ der gemeinsame König Christian III. in Zwickau eine Bergordnung für Gloms-berg in seinem "Königreich Norwegen" erstellen.
In der Unionszeit mit Dänemark gab es zwar Bauernaufstände, aber diese waren Proteste gegen die Steuern, nicht gegen den Status als Juniorpartner in Union mit dem mächtigen Königreich Dänemark, wo die deutschen Herzog-tümer Schleswig, Holstein und Lauenburg mehr Einfluss hatten als Norwegen. Norweger, die vor 1814 in die USA auswanderten, gaben dänisch als ihre Nationalität an. Die Bezeichnung "Union Danmark-Norge" wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts von norwegischen Nationalisten im Nachhinein erfunden und in Dänemark höflich geduldet und mitbenutzt, denn Norwegen war inzwischen längst in einer Union mit Schweden. Der Begriff einer "Union Danmark-Norge" sind über die Schulbücher kollektives Geschichts-bewusstsein in Norwegen geworden. Damit wurde die kontinuierliche Geschichte eines Königreichs vermittelt, was nach dem heutigen Stand der historischen Forschung de facto gerechtfertigt ist. Der Begriff "Union" wurde aber dadurch mit den Erfahrungen einer Unterwerfung belastet.
In einem geheimen Staatsvertrag vereinbarte 1812 der schwedische König Karl Johan mit dem russischen Zar Alexander II., dass, im Falle einer Niederlage Napoleons, Norwegen von Dänemark an Schweden, als Ersatz für Finnland, das Russland bereits genommen hatte, abgetreten werden würde. Durch die Schlacht von Leipzig im Oktober 1813 erlitt Napoleon seine große Niederlage. Am 14. Januar 1814 kapitulierte Frederik VI. in Kiel, trennte sich von Napoleon und wurde gezwungen, Norwegen an den schwedischen Gegner zu übergeben. Damit war nach 434 Jahren die Union der Doppelmonarchie Dänemark-Norwegen aufgelöst. Das Abkommen, das zwischen Dänemark und den Gegnern geschlossen worden war, enthielt jedoch für Norwegen wesentliche politische Elemente. Es besagte, dass Norwegen als selbständiges Reich wieder unter die Staaten Europas eingereiht werden sollte - in Union mit Schweden. In der darauf folgenden Proklamation des schwedischen Königs Carl XIII. heißt es dementsprechend, Norwegen solle den Status eines selbständigen Reiches erhalten - mit einer eigenen, freien Verfassung, nationaler Vertretung sowie eigener Regierung und eigenem Steuerrecht. Die Norweger stimmten nicht unmittelbar zu. Statthalter in Norwegen war zu dieser Zeit der Vetter des dänischen Königs, Prinz Christian Frederik, der 1839-1848 König Christian VIII. von Dänemark wurde. In Absprache mit seinem Onkel bahnte er den Weg für einen norwegischen Aufstand, um die Übernahme Norwegens durch die Schweden zur verhindern, aber wohl auch um eine Wiedervereinigung mit Dänemark herbeizuführen. Der Statthalter lud zu einer verfassungsgebenden Versammlung ein. Die 112 Abgesandten trafen sich in Eidsvoll, und am 17. Mai 1814 wurde die Verfassung (Grundlov) verabschiedet. Es enthält bis heute freiheitliches Gedankengut aus den französischen und amerikanischen Verfassungen. Christian Frederik wurde zum norwegischen König gewählt. Viele der "Männer von Eidsvoll" waren bis dahin dänische Beamte gewesen und stammten aus Dänemark, Deutschland oder England. Sie sahen ihre eigene Zukunft besser in einem selbständigen Norwegen gesichert. Die Bauern waren zwar vertreten, hatten aber wenig Einfluss und Willensdrang zur Selbständigkeit.


Union mit Schweden 1814-1905
Mit 45.000 Soldaten gingen die Schweden darauf hin im Juni 1814 in Südostnorwegen bei Halden und Kongsvinger über die Grenze. Am 14. August 1814 wurde in Moss ein Übereinkommen unterzeichnet, in dem Schweden die in Eidsvoll beschlossene Verfassung mit den für eine Union erforderlichen Änderungen akzeptierte.
Norwegen anerkannte den schwedischen König Carl XIII. auch für Norwegen, behielt aber die leicht geänderte Verfassung, ein Parlament und eine eigene Regierung in Oslo - bis zur Unionsauflösung im Jahre 1905. Es waren gute Jahre für Norwegen. Seitdem steht die Ritterstatue des schwedi-schen Königs Karl Johan stolz an der schönsten Stelle von Oslo, vor dem königlichen Schloss mit Blick auf die Karl Johans Strasse, das Nationaltheater, die Universität und das Storting. Die Statue wurde durch Geldspenden der Bürger von Norwegern bezahlt und trägt die Inschrift: "Die Liebe des Volkes ist mein Lohn".

Unabhängigkeit ab 1905
eidsvoll
Nach einem langen politischen Gerangel erklärte das norwegische Parlament, Storting, am 7. Juni 1905 die Union mit Schweden einstimmig für aufgelöst. König Oskar II. (1829-1907) von Schweden und Norwegen wurde für die Nation Norwegens abgesetzt. Ein unmittelbarer, wohl vorgeschobener, Anlass war die Irritation über die Dominanz von Schweden in der Außenpolitik
Die Kriegsgefahr wuchs. Im Oktober wurde dann in der Konvention von Karlstad eine friedliche Lösung gefunden. Am 18. November wurde Prinz Carl von Dänemark, aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, als Haakon VII. (1872-1957) zum König der demokratischen, konstitutionellen Monarchie Norwegens gewählt. Mit seiner Gemahlin, Prinzessin Maud, jüngste Tochter des Königs Edward VII. von England, war er durch ihren gemeinsamen Großvater, König Christian IX., verwandt. Sie stammten somit beide von Hans (auch Johann genannt) dem Jüngeren (1545-1622). Er baute zwischen 1582 und 1587 das Stammschloss Glücksburg an der Flensburger Förde und war ein Sohn des Königs Christian III., der 1536 Norwegen unter die Krone Dänemarks stellte.
Das Schloss ist seit 1922 in eine Familienstiftung eingebracht, welche durch den Chef der Familie geführt wird. Heute ist Christoph Prinz zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (53) Chef des Hauses. Sowohl das norwegische als auch das dänische Königshaus sind mit dieser Familie verwandt.
Am 21. November 1905 trafen S.M. König Haakon VII. und I.M. Königin Maud mit ihrem Sohn in Oslo ein. Der kleine Prinz Alexander erhielt den norwegischen Namen Olav. Norwegen war endlich wieder frei und selbständig, wie die "Männer von Eidsvoll", nach dem Schwur: "Enig og tro til Dovre faller!", es am 17. Mai 1814 geschworen hatten.
Bereits am 17. Mai 1905 trugen Studenten, zum ersten Mal zu ihren Ehren, die roten Russeluer.

© Terje I. Wølner-Hanssen, lic.oec.HSG
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