 |
Den Roman Einsiedlerkrebse kann man mit dem Wort „Familienroman“ umschreiben. Zu Beginn werden die einzelnen Handlungsträger vorgestellt. Jede Figur wird mit viel Liebe beschrieben und ausgeschmückt. Seit dem Tod der Mutter leben auf dem Hof der „Neshovs“ in der Nähe von Trondheim nur noch der älteste Sohn Tor und der alte Vater. Tor hat den Hof übernommen und lebt nur für seine Schweine. Er hat eine Tochter, Torunn, aus einer zerbrochenen Beziehung, Torunn lebt in Oslo. Margido, der zweitälteste Sohn hat ein Bestattungsunternehmen, lebt allein. Der jüngste Sohn, Erlend, lebt mit seinem Lebensgefährten Krumme in Dänemark. Die beiden sind wohlhabend, lieben den Luxus und schicke Designerklamotten. Die Familie hat sich zur Beerdigung der Mutter nach mehreren Jahren wieder einmal auf Hof Neshov getroffen. Man unterhält sich und in erster Linie machen sich die Kinder Sorgen um den Vater. Was wird, wenn Tor die Arbeit auf dem Hof und mit dem Vater nicht mehr schafft? Diese Sorge verlässt sie auch nicht, als sie wieder in ihr normales Leben zurückkehren. Aber das Treffen hat sie soweit zusammengebracht, dass sie miteinander telefonieren. Margido besorgt für den Hof eine Art Haushälterin, was Tor und den Vater gehörig aus ihrem Einsiedlerleben aufschreckt. Die Katastrophe beginnt aber, als Tor nach etwas zu viel Bier Konsum stürzt und sich ein Bein bricht. Nun muss sogar ein Verwalter her, wenn auch nur stundenweise. Erlend und Krumme, die zusammen viel Geld verdienen und sich in einer glücklichen Zweierbeziehung befinden, helfen finanziell aus. Eine Krise zwischen den beiden zeichnet sich aber ab, als Krumme einen Unfall hat und Erlend nun plötzlich gerne ein Kind hätte- für sich und Krumme! Und könnte man nicht mit dem Hof… und Kind…irgendetwas machen….? Torunn hat nun auch eine gescheiterte Beziehung hinter sich. Als der Vater stürzt, ist es für sie selbstverständlich, die Arbeit erst mal Arbeit sein zu lassen und wieder nach Neshov zurückzufahren. Schließlich kennt sie sich ja auch mit Tieren aus, wenn auch mehr mit Hunden als mit Schweinen, aber man kann ja alles lernen! Der Roman ist in einer wunderbar einfühlsamen Art und Weise geschrieben. Jede Figur wird mit viel Liebe beschrieben und ausgeschmückt. Schnell lernt der Leser die Ansichten der Personen und deren schrulligen, aber liebenswerten Eigenarten kennen. Der Stil des Buches ist oftmals ausgesprochen humorvoll. Es macht wirklich Freude, dieses Buch zu lesen und es ist eine hervorragende Urlaubslektüre. Das Buch ist der mittlere Teil der Trilogie: „Das Lügenhaus“, „Einsiedlerkrebse“ und „Hitzewelle“. Man kann jedes Buch auch problemlos einzeln lesen.
Anne B. Ragde, geb. 1957, ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Norwegens. Zuletzt wurde sie mit dem Norwegischen Buchhandelspreis ausgezeichnet.
Rezension: Angelika Steinhäuser
Anne B. Ragde Einsiedlerkrebse Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs Titel des norwegischen Originals: Eremittkrepsene Btb Verlag, in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München 2008, 319 Seiten ISBN 978 3 442 75167 9 Preis: € 17,95
|