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Lars Saabye Christensen Der Halbbruder |
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Ein Schriftsteller namens Barnum, mehr oder weniger erfolgreich, erzählt seine Lebensgeschichte, die Familiengeschichte einer norwegischen Kleinfamilie vom Beginn des 20.Jahrhunderts bis heute. Beginnend mit seinem Vater, der auf Røst aufwächst, fortläuft und in die Welt hinausgeht, über seine in Oslo lebende Mutter, die als junges Mädchen von einem Unbekannten vergewaltigt wird, wobei sein Halbbruder entsteht. Sie durchlebt eine Hölle von Gefühlen, aber, mit Hilfe ihrer Mutter und Oma – die beiden Frauen spielen eine große Rolle auch in Barnums Leben – kann sie das Kind behalten. Fred wird ein unruhiges Kind, nicht durchschaubar, trägt viel Wut in sich.
Eines Tages taucht ein fremder Mann in Oslo auf, die Wege von Barnums Mutter und Vater kreuzen sich und der Vater zieht bei den drei Frauen und Fred ein. Aus dieser Beziehung entsteht Barnum. Barnum ist ein Außenseiter, zu klein geraten, voller Fantasie, ein Träumer. Mit seinem Halbbruder Fred verbindet ihn eine Haß – Liebe, er möchte von dem großen Bruder gern anerkannt sein, aber es gibt ständig Probleme. Probleme auch in der Schule,sogar in der Tanzschule. Doch dort findet er endlich Freunde, auch zwei Außenseiter, mit ihnen erlebt er glückliche Tage. In der Zeit des Erwachsen Werdens findet Barnum seine Berufung als Schriftsteller und Drehbuch Autor, bekommt erste Anerkennung, gewinnt Preise. Sein Bruder Fred versucht sein Glück im Sport, ist ständig auf der Suche nach seinem Vater, nach Bestätigung, nach Freundschaft – er verlässt die Familie und verschwindet für Jahre. Seine Mutter zerbricht fast daran. Auch Barnums Leben verläuft alles andere als glücklich, enthält Brüche und Enttäuschungen. Das Buch beginnt und endet mit dem Besuch des Filmfestivals in Berlin, einem Wendepunkt in Barnums Leben. Diese Inhaltsangabe ist sehr knapp. Im Buch werden einzelne Personen, Charaktere, ihre Beziehungen zueinander detailliert erklärt. Barnum beobachtet sehr genau, denkt viel und gibt seine Gedanken wieder. Manchmal sind seine Gedankengänge sehr verwoben, voller Fantasie – aber immer faszinierend. Man erfährt als Leser viel von der Zeit nach dem 2.Weltkrieg bis heute, von den Veränderungen in der norwegischen Gesellschaft, besonders in Oslo. Dieses Buch enthält sehr viele individualistische Gedanken, wird aber niemals langweilig, denn die Handlung ist so spannend wie ein Kriminalroman, man muss immer weiterlesen. Die Sprache von Lars Saabye Christensen ist auch in der deutschen Übersetzung anspruchsvoll, man braucht Zeit und Ruhe um es ganz durchzulesen, aber es lohnt sich! Ich glaube, hier ist ein „Segen der Erde“ des 20.Jahrhunderts entstanden! Jedem Norwegen – Liebhaber dringend zu empfehlen!
Rezension: Angelika Steinhäuser |
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Lars Saabye Christensen Der Halbbruder Aus dem Norwegischen von Christel Hildebrandt Originaltitel: Halvbroren Goldmann Verlag, München 2005, 767 Seiten ISBN 3442729254 Preis: 10,00 € |





