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Selbu-Votter

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Der norwegische Rundfunk forderte seine Hörer 1991 auf, über DAS norwegische Nationalsymbol abzustimmen. Den ersten Rang belegte der Brunost, brauner Ziegenkäse mit Karamellgeschmack. Auf den zweiten Platz kam "Kjerringa med staven", eine Figur aus einem sehr beliebten Volkslied. Auf den dritten Platz wählten die Hörer die Selbu-Votter, zweifarbig gestrickte Handschuhe mit typischen Norwegermustern.
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Verglichen mit anderen Textiltraditionen wie z.B. dem Brettchenweben ist das Stricken dieser speziellen Handschuhe eine vergleichsweise junge Tradition, von der man außerdem genau weiß, wann und wo sie entstand und wer der Urheber ist. "Erfinderin" der Selbu-Votter war 1857 die 15-jährige Hirtin Marit Gulsetbrua aus Selbu in Sør-Trøndelag.
Marit hatte gute Kenntnisse im Sticken und Weben und ließ sich zu ihrem Handschuhmuster vom traditionellen Motiv der Åttebladrose (s. Hardangerstickerei) inspirieren. Heute wird dieses Motiv auch oft Selburose genannt. Mit diesen Handschuhen erregte Marit im Winter beim Kirchgang Aufsehen und bald wollte jeder im Ort solche Votter* haben. Es dauerte nicht lange, da war aus einer einfachen Erfindung ein Teil der regionalen Trachtentraditionen geworden.
Wollte ein Mädchen heiraten, musste es rechtzeitig mit dem Stricken beginnen. Die Braut strickte feine Selbustrømper*, gemusterte Kniestrümpfe, für den Bräutigam, seinen Vater und die Brüder. Die Mutter des Bräutigams bekam von der Braut Kleiderstoff, seine Schwestern Blusenstoff. Die Braut "finanzierte" diese Anschaffungen mit Strickarbeiten, die ein gern gesehenes Tauschmittel im Laden waren. Alle männlichen Hochzeitsgäste bekamen Selbuvotter geschenkt, aber diese wurden von den Ehefrauen gefertigt und der Braut übergeben. Passte eine Braut nicht auf und ein Gast bekam die falschen Votter, blamierte sie sich ziemlich! Diese arbeitsintensive Hochzeitstradition endete erst mit dem Garnmangel im 2. Weltkrieg. Das Stricken war in Selbu nicht nur Handarbeit sondern auch ein willkommenes Zubrot. In Notzeiten war es oft die einzige Einnahmequelle. Noch 1960 strickten manche Familien -auch Männer- für einen Stundenlohn von 80 Øre (nach heutigem Kurs ca. 0,10 €).
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Selbuvotter gibt es in vielen Varianten aber es müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein, bevor aus einem Handschuh ein echter "Selbuvott" wird. Ober- und Unterseite haben verschiedene Muster, die an der Außenseite von einer Bordüre getrennt werden. Der Handrücken wird mit Rosen, Sternen, Rentieren u.a. geschmückt, das Muster der Innenseite ist streng geometrisch. Auch der Daumen hat zwei verschiedene Muster. Eine Besonderheit ist auch der spitze Zuschnitt der Handschuhe.
*Votter/Vanter → Faust-/Fingerhandschuhe
*Selbustrømper → Kniestrümpfe
©Text u. Fotos: Gabriela Meyer
 

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