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Zu Beginn des 19. Jahrhunderts geht ein Riss durch Skandinavien. Dänemark und Schweden stehen sich in den Napoleonischen Kriegen gegenüber – die Dänen auf der Seite Frankreichs, die Schweden als Verbündete Großbritanniens. Als zum Kriegsende ein Machtvakuum entsteht, nutzt das unterdrückte Norwegen seine Chance und gibt sich im Mai 1814 eine eigene, unabhängige Verfassung.

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Seit der Machtübernahme Napoleons im Laufe der französischen Revolution wurde Europa seit 1792 von einer langen Reihe von Kriegen, den Napoleonischen Kriegen, überzogen. Die Verbündeten Frankreichs und die gegnerischen Koalitionen waren jedoch keineswegs in Stein gemeißelt. Es gab viele Seitenwechsel, je nachdem was dem derzeitigen Herrscher als aussichtsreichste Seite erschien.

Dänemark, zudem seit 1523 auch Norwegen gehörte, stand 1814 auf der Seite Frankreichs. Allerdings reihte sich eine Niederlage an die nächste und Schweden, die unter anderem mit Großbritannien und Russland verbündet waren, bedrängten Dänemark –und damit auch Norwegen- zusehends.

Schon Ende 1813 hatten die von Osten vorrückenden Schweden in Schleswig-Holstein die großen Städte Lübeck und Kiel befreit und setzten von hier aus den zermürbenden Krieg gegen Dänemark fort.

Zum Jahresbeginn 1814 wurde Norwegen auch zum Kriegsschauplatz, als schwedische Truppen das Land zu besetzen. Die dänischen Truppen griffen in Norwegen nicht mehr schützend ein und am 9. Januar 1814 kapitulierte Dänemark schließlich.

Fünf Tage später, am 14. Januar, wurde der Kieler Frieden geschlossen, der den Krieg zwischen Dänemark, Schweden und Großbritannien beendete. Er sah unter anderem vor, dass Dänemark auf Norwegen verzichtete und dieses in eine Union mit Schweden überführt werden sollte. Der dänische Statthalter in Norwegen, Kronprinz Christian Frederik, erkannte den dänischen Verzicht auf die norwegischen Gebiete jedoch nicht an und verfolgte den Plan Norwegen zu einem unabhängigen, absolutistischen Königreich zu machen – mit ihm als König. Hierzu rief er die wichtigsten Männer Norwegens zusammen, die seinen Vorschlag jedoch ablehnten. Sie begründeten dies mit der Freiheit des norwegischen Volkes in der Wahl ihres Königs und forderten stattdessen eine liberale Verfassung mit einer konstitutionellen Monarchie.

Am 27. Februar 1814 erklärte sich Norwegen unabhängig und bereitete die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung vor. Vorerst blieb auch Kronprinz Christian Frederik Regent des Landes. Die verfassungsgebende Versammlung trat schließlich am 11. April in Eidsvoll bei Oslo zusammen und arbeitete etwa einen Monat an der Verfassung für ein unabhängiges Norwegen.

Am 17. Mai wurde diese schließlich beschlossen und proklamiert. Am gleichen Tag wurde auch der dänische Kronprinz zum norwegischen König gewählt und legte zwei Tage später vor dem neu eingerichteten Parlamente Storting seinen Eid auf die Verfassung ab. Norwegen wurde unabhängig!

Wie zu erwarten war, akzeptierte Schweden nicht Norwegens Unabhängigkeit und griff im Juni 1814 Norwegen an, das sich nach zwei Monaten des Widerstands geschlagen geben musste. Der kurzzeitige norwegische König dankte am 17. August 1814 ab.

Was blieb war jedoch die Verfassung von Eidsvoll und Mai2016 2das norwegische Parlament, denn Schweden gestand den Norwegern in weiten Teilen Autonomie zu.

Die norwegische Verfassung gehört damit heute zu den ältesten Verfassungen der Welt und ist eine der wenigen europäischen Verfassungen, die älter als der Wiener Kongress sind. Bis heute hat sie ihre Gültigkeit und machte es für Norwegen einfacher im Jahr 1905 endlich den Weg in die wirkliche Unabhängigkeit zu gehen.

Seit 1836 feiert Norwegen am 17. Mai seinen Nationalfeiertag und denkt zurück an die Geschehnisse im Frühjahr 1814 und besonders an den „freien Mai“, in dem es zumindest kurzzeitig unabhängig wurde.

17. Mai 2016



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